40 Jahre Kinderkrebshilfe Ebersberg e.V.

Aktualisiert: 22. Jan.

Als das Ebersberger Ehepaar Heidrun und Gerd Kohnert im Januar 1982 die „Aktion zur Hilfe für krebskranke Kinder“ gründeten, wollten sie vor allem eines: Veränderung! Ihnen war bewusst geworden, dass unser Gesundheitssystem für die Schaffung einer guten Lebensqualität während der Krankheit viel zu wenig Mittel bereitstellt.


Das Schicksal hat es mit der Familie nicht gut gemeint. Zwei ihrer Töchter erkrankten in jungen Jahren an Krebs. Beide starben. Anstatt sich zurückzuziehen, wählten die Kohnerts einen anderen Weg. Auf zu viele Missstände waren sie in dieser leidvollen Zeit aufmerksam geworden. So war es ihnen vor allem eine Herzensangelegenheit, einen Verein zu gründen, der die Lebens-, Pflege- und Therapiebedingungen für krebskranke Kinder und Jugendliche verbessert.


Alles fing ganz klein an. Aus gesammelten Äpfeln wurde auf „Gut Kaps“ Apfelsaft gepresst und anschließend zum Verkauf angeboten. Freunde und Nachbarn schlossen sich der neu gegründeten Initiative an und von den ersten Einnahmen wurde Spielzeug und bunte Bettwäsche für die Station „Intern 3“ in der Dr. von Haunerschen Kinderklinik in München angeschafft. Die Wände im Klinikum waren weiß, alles war trist, von einer freundlichen oder gar kindgerechten Ausstattung ganz zu schweigen.


Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung sowie zahlreiche Aktionen ließen die finanziellen Möglichkeiten des Vereins stetig anwachsen. So konnten schon bald umfangreiche Anschaffungen realisiert werden. Dringend notwendige medizinische Geräte machten den Anfang, beispielweise Infusomaten, welche die exakte Dosierung der Medikamente gewährleisteten. Formell genehmigt waren damals für die Abteilung Intern 3 nur vier Dosierpumpen, aber 20 kleine Patienten/-innen befanden sich in stationärer Behandlung. Das alles ist lange her und gehört erfreulicherweise der Vergangenheit an.


Im Laufe der Jahre konnten viele Prominente für die gute Sache gewonnen werden. Gerade in der Anfangsphase war es für den Verein sehr wichtig, die Werbetrommel zu schlagen. Gerne erinnert man sich an die Sommerfeste mit Carolin Reiber, Thomas Ohrner oder Dieter-Thomas Heck zurück. Anfang der 90iger legte Thomas Gottschalk gleich zweimal hintereinander den kompletten Ebersberger Marienplatz lahm. Die Leute hatten mächtig Spaß und jedes Mal kamen tolle Summen für die Station zusammen. Es folgten die alljährlichen Bazare im Rathaus. Über drei Etagen bot man stets ein ganzes Wochenende lang schöne selbstgemachte Dinge und leckere Kuchen zum Verkauf an. Dafür wurde das ganze Jahre über von ganz vielen ehrenamtlichen Helfern/-innen gebastelt, gestrickt und organisiert. Auch hier halfen wieder viele Promis beim Ziehen der Tombolapreise als „Glücksfee“, von Fritz Egner, Gustl Bayrhammer bis Ricco Groß und vielen, vielen mehr. Sogar Schachlegende Garri Kasparow eilte eigens für den guten Zweck nach Ebersberg und spielte bei einer Veranstaltung simultan gegen 25 Meistbietende. Sie alle kamen gerne, um zu helfen, und sie alle haben dazu beigetragen, den Verein bis heute über den Landkreis hinaus bekannt zu machen.

Im November 1990 konnte zusammen mit einer anderen Elterninitiative ein weiterer Meilenstein umgesetzt werden: Die Einweihung der Tagesklinik. Hier werden Kinder ambulant behandelt oder kommen zur Nachsorge. Um eine erneute psychische Belastung der Kleinen auszuschließen, ist es enorm wichtig, dass die Kinder nicht mit neuen Patienten oder Rückfälligen in Berührung kommen.

Schon damals musste die Kinderkrebshilfe Ebersberg e.V., die ihren heutigen Namen seit 2001 trägt, für zusätzliches Personal aufkommen, um den Pflegenotstand einzudämmen. Daran hat sich leider bis jetzt nichts geändert. Gerade in der langen Zeit des Lockdown war es für die Kinder und deren Familien unglaublich wichtig, genügend Erzieher, Pflegekräfte, Ärzte, aber vor allem auch psychologisch gut geschultes Personal um sich zu wissen. Es ist traurig aber notwendig, die Öffentlichkeit immer wieder auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.


Eigentlich sieht der Verein seine Hauptaufgabe in der unbürokratischen Unterstützung von Familien. Es kommt nicht selten vor, dass Eltern durch die Erkrankung ihres Kindes den Arbeitsplatz verlieren und in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Dann werden Therapiekosten, Kurzuschüsse für sozial schwache Kinder oder auch Kosten für eine Haartransplantation, wenn nach einem Gehirntumor keine Haare mehr nachwachsen, übernommen. Es befinden sich ja nicht nur ganz kleine Patienten, sondern auch Jugendliche und nahezu Erwachsene auf der Station.


Seit ihrer Gründung hat die Kinderkrebshilfe Ebersberg e.V. mittlerweile über sieben Millionen Euro gesammelt. Mit den Spenden konnten inzwischen viele kleine, aber auch große Projekte umgesetzt werden. Selbstverständlich arbeiten alle Vereinsmitglieder ehrenamtlich. Die Verwaltungskosten machten 2021 gerade einmal 0,73 Prozent aus. Somit ist den Spendern garantiert, dass ihre wertvolle Unterstützung zielgerichtet und effizient eingesetzt wird.


Im Februar 2020 trat Gerd Kohnert nach über 38 Jahren als Zweiter Vorstand und Kassenwart nicht mehr zur Wahl an. Ganz still und leise verabschiedete er sich bei einer Mitgliederversammlung in den wohlverdienten „Ruhestand“. Seine Frau Heidrun führte den Verein von 1982 bis 2001 als Erste Vorsitzende. Danach übergab sie das Zepter an ihre damalige Nachbarin Helga Bogensperger. Über 18 Jahre war sie dann das Gesicht der Kinderkrebshilfe Ebersberg e.V.. Sie prägte den Verein nachhaltig und führte ihn mit großer Leidenschaft und viel Engagement. Im April 2019 verstarb Helga Bogensperger mit 58 Jahren selbst an Krebs.


Bis heute ist das siebenköpfige Kernteam des Vereins ein Verbund aus Freunden und Nachbarn der Familien Kohnert und Bogensperger. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kinderkrebshilfe Ebersberg e.V. in ihrem Sinne zuverlässig weiterzuführen. Das geht natürlich nur mit der Unterstützung der Bürger, aber der Einsatzwille und das Engagement vieler freiwilliger Helfer haben in den letzten vier Jahrzehnten mehrfach bewiesen, dass es unterschiedlichste Möglichkeiten gibt, sich zu beteiligen. Darauf sind alle Vereinsmitglieder sehr stolz und der neue Vorsitzende Stefan Freytag möchte sich im Namen des gesamten Teams ganz herzlich bei allen Unterstützern dafür bedanken.


In den letzten 40 Jahren hat sich vieles zum Guten verändert. Dennoch ist unser Gesundheitssystem immer noch schlecht auf die spezielle, aber notwendige Behandlung von an Krebs erkrankten Kindern ausgelegt. Ein Grund mehr, auch nach so langer Zeit weiterzumachen. Vor allem sind es immer wieder die schönen bunten Bilder und Dankesbriefe, die das Kernteam erreichen, und sie ermutigen, ihr wichtiges Engagement fortzusetzen.


Übrigens hat das Ehepaar Kohnert als Ehrenmitglieder ihres Vereins bis heute noch keine Versammlung der Kinderkrebshilfe verpasst!